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Turm Dubai: Pleite-Emirat weiht höchsten Wolkenkratzer der Welt ein

4. 1. 2010 · 1 Reaktion

Dubai Turm

Turm Dubai von Joi

Wie die Titanic damals, so Dubai heute: Das Emirat ist so gut wie Pleite und kann ohne Hilfe nicht mal die Zinsen seiner Schulden begleichen. Gleichzeitig wird das Burj Dubai, zu deutsch Turm Dubai eingeweiht.
Der Burj ist der höchsten Wolkenkratzer der Welt mit vermutlich 818 m (und nicht 824) Höhe und somit mehr 300 m höher als das zuletzt höchste Gebäude der Welt, das Taipei 101 in Taiwan. Kurz darauf folgen etliche Hochhäuser in China, das Shanghai World Financial Center mit 492 m und 4 weitere in der Top 10 der höchsten Wolkenkratzer.

Doch während Taiwan und China eher verdientermaßen diese Hochhäuser hochzog, schließlich ist Taiwan und Festland-China derzeit fast ausschließlicher Produzent der meisten Konsumgüter, vor Allem bei der Technik, wurde der Turm von Dubai buchstäblich auf Sand gebaut und mit Petro-Dollars finanziert.

Die Finanzkrise aus der China gestärkt hervortrat hat Dubai das Rückgrat gebrochen.

Nur mit Hilfe von einem 10 Miliarden Sofort-Kredit seitens des benachbarten Emirats Abu Dhabi konnte Dubai vor der endgültigen Zahlnungsunfähigkeit gerettet werden. 

Sowohl die Technologie des Dubai-Turms als auch die Arbeiter stammen allesamt aus dem Ausland. Nun kann Dubai nicht mal das Geld aufbringen. Wem gebührt also die Ehre hierfür?

Burj Dubai Turm von Leandro’s World Tour

Überhaupt ist es eine zweifelhafte Freude diesem Wettlauf des Größenwahns zuzuschauen. Spätestens seit dem 11. September 2001 wissen wir:

All zu hohe Gebäude können zuweilen gefährlich werden und ziehen auch gern Verrückte aller Couleur an. 

Kürzlich brannte ein Hochhaus in Peking ab: Das 230  m CCTV Tower des chinesischen Fernsehens.

Doch nicht nur das: Wir werden Zeuge wie Diktaturen miteinander konkurrieren. In China heißt die Staatsform wohl noch Kommunismus, doch kommunistisch ist sie genauso wie die DDR demokratisch war. Es ist eine Art Staatskapitalismus der schonungslosesten Sorte. Die modernen Monarchien am Golf die nur dank des Erdöls und der amerikanischen Protektion am Leben erhalten werden sind da kaum eine bessere Alternative.

Turm Dubai und Skyline von Lars Plugmann

Der Bauboom wird gänzlich von Wanderarbeitern aus Asien getragen die zumeist völlig rechtlos und für lächerliche Löhne arbeiten angesichts des offensiv zur Schau gestellten Reichtums der Städte die sie bauen, ob in Dubai oder woanders, etwa in Kuwait.
In Kuwait soll auch das demnächst höchste Gebäude der Welt entstehen: Das Burj Mubarak al-Kabir. Es soll 1001 m also mehr als ein Kilometer hoch ausfallen und Teil einer gänzlich neu erbauten Stadt sein. Auch in Dubai war ein 1 km hohes Monstrum geplant, das Al Burj, auch Nakheel Tower genannt nach ihrem Erbauer. Doch genau diese staatliche Firma musste kürzlich finanziell gestützt werden. Der Bau wurde bereits vor fast einem Jahr vorläufig ausgesetzt.
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Als die höchsten Häuser noch in den USA gebaut wurden hatten wir noch das Gefühl Zeuge eines Sieges der Demokratie über die Tyrannei zu sein. Doch heute weht ein anderer Wind.

Die Wolkenkratzer stützen sich auf ein Unterdrückungs- und Ausbeutungssystem wie es in der Weltwirtschaft ganz selbstverständlich ist für uns aber in Europa und insbesondere in Deutschland einen Rückfall in den Manchester-Kapitalismus des 19. Jahrhunderts bedeutet. Wem politische oder moralische Kategorien hierbei fremd sind der sollte sich eines vor Augen führen: Das auf Rechtlosigkeit, Umweltzerstörung und Ausbeutung fußende Dumping dem keinerlei Gesetze zur Mäßigung gegenüberstehen führt gerade auch bei uns zu Pleiten der Industrie und anderer Branchen. Nokia war da nur ein ganz offensichtliches Beispiel von vielen.

Doch wenn wir erst keine Industrie und Herstellung im eigenen Land mehr haben sind wir abhängig von diesen Diktaturen, zuallererst China. Wenn dort im Politbüro beschlossen wird Deutschland eine Weile nicht zu beliefern sehen wir noch älter aus als damals das OPEC-Kartell die Öl-Lieferungen drosselte.

Das Dumping-Prinzip funktioniert auch so, dass wenn die Konkurrenz erstmal darnieder liegt die Preise erhöht werden. So wird das frühere Billiglohnland China schon bald die Preise diktieren, wie hoch sie auch sein mögen. Wir werden da keine Wahl mehr haben.

Burj Dubai im Bau von Octal

Daher ist dies als das letzte Aufbäumen der OPEC-Staaten auch bezeichnend: Die Öl-Staaten am Golf und ihre Organisation OPEC werden in Zukunft immer weniger Einfluss haben, China als Fabrik für die ganze Welt deutlich mehr. Der Turm Dubai ist also nur ein Pyrrhussieg.

Übrigens:

Den Turm Dubai werden auch wir alle zahlen, denn der durch die nicht zurückzahlbaren Kredite entstandenen neuen Schaden spüren die Börsen weltweit.
 

Der Arbeitsplatzverlust kann also ganz direkt damit zusammenhängen denn das Geld was dort für Protzbauten verschwendet wurde ist woanders zu wenig. Wer weiß ob die deutschen Firmen die am Bau beteiligt wurden zu ihrem Geld kommen?

Aber wie gesagt: Auf der Titanic spielte die Band bis zum Ende.

Moderne Architektur bedeutet heutzutage keineswegs Größenwahn. Es sind etwa Nullenergie-Häuser die den Weg in die Zukunft zeigen. Diese werden noch immer stehen wenn die Türme der Diktaturen schon längst in Trümmern liegen.

Auch in der Presse finden sich nicht nur Jubelperser, hier und da herrscht noch ein wenig Menschenverstand und Kritik wird laut:

  1. Faszinierender Größenwahn: Der Burj öffnet heute seine Tore | RP ONLINE
  2. Größenwahn: Dubais 825-Meter-Turm ist ein absurdes Auslaufmodell – WELT ONLINE
  3. Super-Immobilie: Der absurde Turmbau von Dubai – WELT ONLINE
  4. Das höchste Gebäude der Welt: Der Turmbau zu Dubai ist fertig – FAZ.NET
  5. Dubai: Terrorangst am achten Weltwunder – Dubai – FOCUS Online

Größenwahn trifft nicht überall auf Gegenliebe. Vermutlich wird Dubai aufgrund der Höhe des Turms zur Touristen-Attraktion für Extremsportler. Die ersten Fallschirmspringer mussten sich noch einschleichen und illegal herunter springen. Das Video dazu ist in der Tat beeindruckend. Ob der akute Geldmangel ein Umdenken bringt?

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Tags: Alles, Nichts · Luxus · Preis

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