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Quelle geht Pleite, Otto geht in die Offensive

14. 11. 2009 · 2 Reaktionen

Der Quelle Versand ist Pleite. Ich habe mal indirekt für Quelle gearbeitet vor ca. 10 Jahren und irgendwie fühle ich mich schon betroffen. Dabei hatte ich es bei Quelle gehasst, es war schon damals ein Dinosaurier bei dem es mich wunderte, dass er noch nicht Pleite ist.

Eine Abteilung konkurrierte gegen die nächste und oft musste jeder Kleinkram von etlichen im Clinch stehenden Abteilungen quasi „abgenommen“ also genehmigt werden. Nicht zuletzt waren einzelne Abteilungen untereinander Kunden und offiziell unterschiedliche Firmen. Wer so ein kafkaeskes Konstrukt aufbaut darf sich nicht über einen Bankrott wundern.

Die Stadt Fürth ist ein einziges graues, trostloses Quelle-Zentrum. Hoffentlich werden die Moloch-artigen Quelle-Gebäude schnell abgerissen.

Das Versandhandel-Konzept ist keineswegs tot. Es ist Quelle, eine überkommene Maschinerie. Online lebt der Versandhandel erst so richtig auf. Denn Kataloge und Telefonbestellungen sind schrecklich ineffizient und kostenintensiv. Im Internet geht alles schneller und einfacher.

Andererseits bin ich Otto-Kunde. Der Rechner auf dem ich schreibe stammt von Otto. Der Otto-Versand macht vieles gut und besser als andere Online-Shops.

  • 24h Lieferung
  • Ratenzahlung auch für Freiberufler und Selbstständige
  • Vorbildlicher Service

Einmal musste eine Rechnung nachträglich geändert werden und es war kein Problem. Ein Telefonat, eine Sache von 2 Minuten und 2 Tage später war die neue Rechnung schon im Briefkasten.

Während nun Quelle Pleite geht geht Otto stattdessen in die Offensive.

Otto will nun in Dhaka, Bangladesh, dem (neben China) Zentrum der weltweiten Textilproduktion eine Fabrik nach deutschen Vorbild bauen. Denn derzeit wird dort unter teils unmenschlichen Bedingungen geschuftet wie im Manchester des 19. Jahrhunderts. Erst zuletzt wurden etliche Fabriken im Zuge von Hungerrevolten der unter- und dann sogar unbezahlten Arbeiter angezündet.

Otto will nun also nicht das Feld zwielichtigen bis kriminellen Handlangern überlassen. Es soll eine nach westlichen Standards errichtete Fabrik entstehen.

Eine Sache verwundert mich allerdings. Otto will diesen Schritt nicht konsequent umsetzen. Sie wollen weiterhin die Hungerlöhne zahlen die in Bangladesh üblich sind.

Eine halbherzige Offensive verpufft jedoch. Ich wünsche Otto mehr Mut die Speerspitze der deutschen Textilbranche zu bilden und dort auf Fairen Handel zu setzen.

Studien haben gezeigt, dass oft eine Verdopplung des Lohns in Asien hier bei uns nur in einem 10% höheren Preis resultieren würde, denn die Arbeiter/innen erhalten teils weniger als 1% des Endpreises ihres Produkts als Lohn.

Fair Trade oder Fairer Handel ist wie Bio derzeit das Nonplusultra. Die Nachfrage steigt enorm.

Es ist ein Trugschluss Produkte aus fairem Handel seine doppelt oder dreifach so teuer. Am besten sehen wir das bereits jetzt am Tee. Ich kaufe Fair Trade Bio Tee für 1,99 während die gleiche Sorte und Menge ohne Bio und Fair Trade Siegel 1,89 kostet.

Fairer Handel hat eine Menge Vorteile auch für den Endverbraucher.

  • Wer seine Angestellten Umweltgiften aussetzt der tut es mit den Produkten auch. So ist Baumwolle aus Kinderarbeit meist auch mit Pestiziden verseucht die dann direkt auf unserer Haut landen.
  • Fairer Handel schaltet die Zwischenhändler aus deren Aufgabe vor Allem darin liegt die Lokalbevölkerung auszubeuten. Die Fabriken gleichen derzeit oftmals Arbeitslagern.
  • Selbst wenn die Fabriken einigermaßen erträglich sind so führen oft Arbeitszeiten von 80h und 7 Tage die Woche zu schlechter Qualität. Menschen die hungrig sind und nicht auf Toilette dürfen arbeiten zwangsläufig schlechter als solche die fair behandelt werden.

Last but not least werden unsere Arbeitsplätze durch dieses Lohndumping von uns selbst direkt in asiatische Billiglohnläder verfrachtet. Denn der Kunde ist ja schließlich König.

Tags: Alternative · Deutschland · Preis

2 Reaktionen ↓

  • 1 Marie Walters // 13. 9. 2011 um 09:38

    Hey,
    QUELLE ist nicht mehr Pleite. Die Zeiten sind endlich vorbei. Das Handelsunternehmen ist nicht mehr vom Markt und nicht mehr im Erdboden versunken. Damals ist wirklich Einiges schiefgegangen aber mit neuer Motivation, Ideenreichtum, Kraft und mit Durchhaltevermögen hat es QUELLE zurück geschafft.

    Mir gefällt am neuen Shop, dass man leicht verständlich, gut beraten (FAQ) und schnell seine Wunschprodukte findet. Der Kauf ist binnen weniger Minuten abgewickelt und die Post lässt auch nicht lange auf sich warten.
    Große Klasse! Marie

  • 2 David // 1. 1. 2013 um 22:09

    .. naja.. also so wie sich der Marktplatz Quelle jetzt präsentiert.. das war wohl ein Schuß in den Ofen.