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Browser-Marktanteile: Konzerne vs Open Source 1:0

3. 1. 2012 ·

Browser Marktanteile

Die Technologie-Medien pfeifen es von den Dächern, Ende 2011 hat Google Chrome den Open Source Browser Mozilla Firefox überholt und ist nach dem Internet Explorer des Software-Giganten Microsoft Nummer 2 wenn es um globale Browser-Marktanteile geht. Warum ist das wichtig?

Manche Leute wissen ja noch immer nicht was ein Browser ist. Sie wollen einfach ins Internet so wie wie den Fernseher einschalten wollen ohne zu überlegen wie er funktioniert.

Ich mache diesen Leuten keinen Vorwurf. Ich will aber auf etwas hinweisen was die meisten in der Euphorie darüber, dass der Internet Explorer (der Alptraum der meisten Webentwickler seit ca. 10 Jahren) unter 50% gefallen ist und mit Chrome einem besseren Browser weichen muss, nicht aufgefallen ist.

Die Konzerne haben das Web nun wieder fester in der Hand.

Wahre Open Source-Technologie ist auf dem Rückzug. Der eine oder andere mag nun einwenden Google Chrome sei ebenfalls Open Source doch das ist nur Augenwischerei.

Google hat bereits beim Open Source Betriebssystem Android Code zeitweise versteckt, er war also zunächst nicht Open Source weil der Quelltext eben nicht offen gelegt wurde.

Das mag den Meisten gar nicht aufgefallen sein aber es zeigt doch wie Open Source von Google benutzt wird. Die Community wird dazu verwendet das eigene Produkt zu verbreiten btw. vertrieben. Das ist Gratis-Werbung. Zudem darf die Community unentgeltlich Arbeit verrichten die der Suchmaschinen-Monopolist nicht bezahlen will, als ob er nicht genug Geld hätte.

Doch das muss jede/r selbst wissen, darum geht es mir auch nicht wirklich. Ich will etwas weiter ausholen. Erinnern wir uns warum Firefox so populär wurde. Firefox war eine Art Befreiungsschlag des Internet als Ganzes.

Zum ersten Mal sollte mit Firefox ein Browser entstehen von den Menschen für die Menschen und nicht ein Vehikel dessen Aufgabe es war Firmeninteressen voranzutreiben.

Es ging darum unabhängig zu werden von Unternehmen deren Politik und Profite wichtiger waren als solche Dinge wie Webstandards oder freier Zugang zum Netz.

Konzerne wissen, dass der Browser als ein Tor ins Internet fungiert und wer den Browser baut der Torwächter ist. Er kann Wegegeld in der einen oder anderen Form verlangen. Sowohl Microsoft als auch Google wissen das und lassen sich fürstlich mit Daten der Nutzer sowie der Bündelung mit anderen Produkten des jeweiligen Unternehmens belohnen.

Microsoft und Google protokollieren sehr genau was wer sucht und besucht und bauen natürlich vorrangig ihre eigene Suchmaschinen in den jeweiligen Browser ein.

Nur das Kartellrecht verhindert eine strengere Kopplung von Browser und Suchmaschine. Nur der öffentliche Aufschrei hat verhindert das die Browser ihre Benutzer noch stärker ausspionieren. Lange Zeit hat Google das Firefox-Projekt unterstützt. In der Tat bezahlt Google die Mozilla-Stiftung immer noch damit Firefox Google als Standard-Suchmaschine voreingestellt hat. Warum hat Google also noch einen neuen Browser bauen müssen?

Ging es tatsächlich darum einen besseren und schnelleren Browser zu bauen? Wohl kaum. Es ging vorrangig darum die Macht des Konzerns auszubauen und damit war ein besserer und schnellerer Browser nötig. In der Tat ist Chrome immer noch dem Internet Explorer vorzuziehen und in mancher Hinsicht auch Firefox und Opera überlegen.

Ich benutze alle drei “alternativen” Browser#

  • Firefox
  • Opera
  • Chrome

und zwar in genau der Reihenfolge. Chrome benutze ich nur spärlich und zwar für ganz bestimmte Aufgaben. Zudem verwende ich die von Spyware gereinigte Version von Chrome, den SRWare Iron-Browser.

Das ist in der Tat der größte Vorteil für den Endnutzer beim Chrome-Browser. Prinzipiell kann jede/r eine eigene Version machen bzw. anpassen. Doch im Endeffekt müssen sich all diejenigen die es tun daran richten was Google ihnen vorgibt. Die Anpassungen sind selten mehr als Kosmetik. Im Kern bleibt Chrome eben Chrome.

Wer einer Firma die über 95% ihres Profits mit Werbung erwirtschaftet mit seinen privaten Daten traut soll es auf eigene Verantwortung tun.

Es wird aber nicht immer aufwärts gehen beim Google-Konzern. Schon jetzt scheint das Ende der Fahnenstange erreicht. Google versucht immer verzweifelter neue Geldquellen anzuzapfen und mehr Geld aus der Suchmasche heraus zu pressen. Das geht soweit, dass oft kaum noch Suchergebnisse zu sehen sind und zunächst ohne scrollen nur Werbung zu sehen ist. Egal für wen geworben Google gewinnt immer.

Als ich Google Chrome zum ersten Mal installierte hat das Programm eine weiter Software auf mein System eingeschmuggelt, den Google Updater.

Ich habe es nicht geschafft diese Software die im Hintergrund immer läuft und Ressourcen verbraucht wieder zu deinstallieren. Nicht mal Anti-Spyware Lösungen wie CCleaner haben geholfen.

Zuletzt versuchte Google sogar den Google-Browser mit bezahlten Reviews in Blogs niedriger Qualität zu bewerben. Es folgte mal wieder ein Aufschrei wie so oft wenn Google entgegen den eignen Richtlinien handelt aber selbst solche halbseidene Publicity dürfte Google Chrome nicht schaden.

Mozilla hat Firefox unterdessen vernachlässigt bzw. verderben lassen.

Es gibt ständig neue Versionen und die Hälfte der Erweiterungen und Themes funktioniert dann jeweils nicht. Ich musste immer wieder auf Elemente verzichten mit denen ich jahrelang gearbeitet habe als das Upgraden schließlich unvermeidbar wurde.

Dafür ist Firefox schwerfällig und verbraucht samt den Erweiterungen so viel Ressourcen dass er immer wieder neu gestartet werden muss. Trotzdem ist Firefox  noch immer Browser Nummer 1 für mich denn diese Erweiterungen sind nach wie vor zu vorteilhaft um auf sie zu verzichten.

Ich hoffe das Firefox Team besinnt sich auf die wahren Werte des Browsers und lässt sich nicht mehr auf einen wahnwitzigen Wettlauf mit Chrome ein. Ich benutze Firefox sei den früher 0. Versionen als er noch Phoenix hieß. Ich will dabei bleiben, Chrome ist für mich keine Alternative und Opera hat eben nicht genug Möglichkeiten zum Erweitern.

Firefox muss überleben, andernfalls gibt es bald wiederum vor Allem Browser von Konzernen die uns nur als Mittel zum Zweck benutzen.

In Deutschland scheinen das die meisten begriffen zu haben. Laut Statcounter liegt der Marktanteil von Firefox bei uns nach wie vor über 52% während Chrome gerade mal 13,5% hat. Es scheint also Freiheit und Privatsphäre ist noch ein Paar mehr Menschen wichtig oder aber die Zahlen stimmen nicht für den deutschen Markt.

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