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Public Enemies Filmkritik

31. 12. 2009 ·

Johnny Depp ist als Schauspieler grundsätzlich ein Garant für einen überdurchschnittlichen oder zumindest ungewöhnlichen Film. Bei Public Enemies [Partner-Link], der Geschichte von „Staatsfeind Nummer Eins“ John Dillinger ist es leider nicht so.

Der Film von Michael Mann, einem altbekannten Routinier aus Hollywood, beginnt mit einer Action-Szene und viel Maschinengewehrfeuer und er bleibt dabei. Die Sets wechseln doch die Handlung bleibt fast immer die gleiche:

  • Banküberfälle
  • Schießereien
  • Verhöre

und sinnlose Brutalitäten.

Nun ist das ja ein Genre-Film, ein historischer Gangster-Film sozusagen die Kritik bezieht sich also nicht auf den Inhalt sondern auf dessen Darbietung.

Wir wissen doch eigentlich alle was damals, 1933 und später, so alles vor sich ging. Wer kennt nicht die Gangster-Balladen aus der Ära der Prohibition? Diese Geschichte spielt kurz danach, vermag aber zu keinem Zeitpunkt einen wirklichen Kontext her zu stellen.

Der Zeitgeist von damals ist ja mit dem von heute sehr ähnlich doch Mann scheut zurück jegliche politische Dimension aufzuzeigen. Die Parallelen von damals und heute: Börsencrash und Große Depression vs Banken- und Finanzkrise bleiben verborgen obwohl sie eigentlich offensichtlich sind.

Natürlich ist ein Gangsterfilm kein politisches Manifest aber solch eine Geschichte so völlig aus ihrem Kontext zu reißen? Was war denn noch 1933? Ja, bei uns wurde Hitler zum Kanzler gewählt. Davon merken wir überhaupt nichts in dem Film, nicht einmal eine Schlagzeile in einer Zeitung.

Dabei wurde das FBI in diesen Tagen als Bundespolizei und Inlandsgeheimdienst auch aus politischen Überlegungen gegründet. Vor Allem die linke Arbeiterbewegung sorgte in den USA der Großen Depression für Unruhe. Auch daher waren Gangster die Banken überfielen, allen voran John Dillinger gewissermaßen Volkshelden:

Die Bankräuber holten sich eigenmächtig zurück was Staat und Banken dem kleinen Mann vorenthielten.

Doch davon spüren wir nichts. Seltsam zeitlos ist die ganze Handlung. Es ist als ob wir einen Film über moderne Gangster sähen die aber in Retro-Kostümen auftreten und alte Autos fahren. Über die Motive erfahren wir so gut wie nichts, in einem Nebensatz fällt die einzige Erklärung, der junge Dillinger hätte eine schwere Kindheit gehabt, eine früh verstorbene Mutter und einen gewalttätigen Vater.

Ganz ausgeblendet wird aber etwa, dass Dillinger ebenso in der Armee war und desertierte. Dort erlernte er höchstwahrscheinlich den Umgang mit Waffen den er später so oft pflegte. Auch seine Vergangenheit als Fabrikarbeiter und zunächst gänzlich erfolgloser Kleinkrimineller fällt vollständig unter den Tisch.

Wir wissen also kaum etwas über diesen Mann der herumballert wie ein Verrückter, eine Landpomeranze mit für die heutige Zeit sexistischen Methoden zu gewinnen versucht und zwischendrin scheinbar Menschlichkeit durchblicken lässt, etwa wenn der obligatorischen Geisel der eigene Mantel übergeben wird.

Ist Dillinger nun ein Gangster oder ein Gentleman?

Public Enemies bleibt fast immer an der Oberfläche und ohne Bezug. Was passiert ist einfach so. Das Warum und Wann interessiert nicht.

Wer einen teils, vor Allem zum Ende hin spannenden Film mit lang andaurenden Schießereien erwartet wird belohnt.

Wer allerdings auf einen stilvollen Gangsterfilm wie ihn das amerikanische Kino immer wieder hervorbegracht hat wartet wird enttäuscht.

Flache Charaktere, scheinbar willkürliche Schnitte und Ortswechsel und oft aus der gespielten Person heraus nicht nachvollziehbare Dialoge vermiesen einem den Film.

Wir können nicht nur kaum nachvollziehen warum Dillinger so handelt wie er es tut, wir vermögen auch kaum zu durchdringen wieso sein Gegenspieler, gespielt von Christian Bale so handelt wie er das tut. Auch die Liebesbeziehung beliebt schleierhaft. Der Punkt an dem die etwas widerwillige Garderobiere zu Dillingers Geliebten wird kann nicht genau identifiziert werden.

Zudem ist es schwer Depp den berüchtigten Gangsterboss abzunehmen, zu nett und freundlich bleibt er inmitten der ganze Gewalt. Christian Bale als gewohnt schonungsloser Vollstreckungbeamter schafft es ihn an die Wand zu spielen.

Public Enemies ist derzeit auf DVD und Blu Ray erhältlich. Ich schaute mir den Film auf DVD an.

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Tags: Test, Review