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Herr Brin: Das Web ist nicht frei, auch dank Google

19. 4. 2012 ·

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Sergey Brin, einer der beiden Google-Gründer verteidigt die Freiheit des Web gegen Regierungen und Konkurrenten die ihm das Geschäft vermiesen.

Natürlich hat Brin Recht, die Freiheit des Web ist bedroht, nicht erst seit heute.

Google hat aber auch eine ganze Menge dazu beigetragen. Gerne brüstet sich die Firma mit dem „teilweisen Rückzug“ aus China, eine leere Geste, Google hat damals gegen Chinas Suchmaschine Baidu bereits den Kürzeren gezogen und versucht die chinesische Regierung nachträglich unter Druck zu setzen.

Google hat Probleme. Das Turbo-Wachstum kann nicht aufrecht erhalten werden und der Suchmascheinen-Gigant stößt überall an die Grenzen.

Die Gerichte und die Kartellämter sitzen dem Konzern im Rücken und auch Facebook und Apple haben derzeit bessere Karten für die Zukunft. Google holt zwar auf, Android Smartphones sind inzwischen weiter verbreitet als die elitären iPhones aber Google+ kann noch lange nicht mit Facebook mithalten.

Zudem gelangt Google nicht an die Daten und Informationen die Apple und Facebook für sich behalten wollen. Google möchte sie einsehen und in ihren Index einfügen doch der Trick mit der Google Search Plus Your World gerne auch SPYW abgekürzt an Spyware anlehnend, hat nicht funktioniert. Google wollte die Rivalen dazu zwingen ihre Daten frei zu geben aber es hat nicht geholfen.

Nun macht Brin einen Verzweiflungsschritt. Die Freiheit ist bedroht weil Google nicht auf die Apple und Facebook-Daten zugreifen kann während doch die Regierungen das dürfen. China schottet sich gegen Google ab. Die anderen Länder wie Russland, Saudi Arabien und Iran werden nur deswegen genannt um es schlimmer klingen zu lassen.

Sergey Brin drückt dann noch auf die Tränendrüse denn er habe als 6 jähriges Kind die Schrecken der Diktatur in der Sowjetunion kennengelernt.

Ich habe bis zu meinem 10 Lebensjahr in einer Ostblock-Diktatur gelebt und auch als Kind Panzer auf der Straße stehen sehen bevor uns irgendwann die Flucht gelang. Dennoch bin ich kein Freund des Multimilliardärs Brin und seines Großkonzerns der die Suche weltweit monopolisiert hat bis auf wenige Ausnahmen, etwa das besagte China und Russland etwa. Ich würde mich nicht wundern wenn die Position von Google in Saudi Arabien und Iran ebenso schlecht ist.

Jetzt ruft Brin also die Regierungen der westlichen Welt ihm zu helfen und die Märkte zu öffnen, und die Konkurrenz zum einlenken zu zwingen.

Ein Freund der Freiheit ist Brin nicht. Er ist ein Freund des Profits. In China waren sich von Anfang an trotz der Diktatur zugange. Welche Webseiten bei Google gut stehen und welche nicht ist nach wie eine Blackbox bzw,. ein Buch mit sieben Siegelnd. Selbst ich der sich seit Jahren beruflich mit SEO beschäftigt wird immer wieder von willkürlichen Google-Updates überrascht bei dem über Nacht komplett legitime Webseiten so stark abgewertet werden, dass sie am nächsten Tag nur noch halb so viele Besucher bekommen.

Letztes Jahr ist mir das nicht nur beim Zeitgeist passiert sondern auch bei einem anderen Blog der seit Jahren als Autorität weltweit anerkannt ist. Doch mir macht das längst nicht so viel aus wie Firmen die gern auch am Google-Monopol in solchen Fällen zugrunde gehen. Von

von Google will ich hier gar nicht sprechen. Google arbeitet mit US-Behörden Hand in Hand auch wenn es darum geht Daten von Europäern an diese zu überreichen gemäß dem sog. Patriot Act den Präsident Obama erst kürzlich verlängert hat.

Die Freiheit des Internets und insgesamt ist bedroht, aber nicht nur von China, Russland, Facebook und Apple. Auch Google bedroht diese auf vielfältige Weise. Das kann Herr Brin allerdings ändern ohne staatliche Hilfe zu rufen.

Herr Brin: Das Web ist nicht frei, auch dank Google

Mehr dazu aus der Presse:

 

* Creative Commons Bild von der Freiheit statt Angst Demo in Berlin 2011 von Nick Jaussi

 

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Tags: Web Trends